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Ort: Weltall; Erdzeit: Donnerstag, 2. Mai 2019

Amarela sass im Aufenthaltsraum, eingekuschelt in einer Ecke der Sitzgruppe, die langen Beine angewinkelt. Da der Flug noch einige Tage dauern würde, sogar noch mit einem kleinen Halt auf einem Planeten namens Erde zwecks Wasserauffüllung, war sie eher informell angezogen. Ein Tunikakleid in schillerndem blau und grün mit leicht gebauschten Ärmeln, dazu gemusterte Strümpfe in den gleichen Farben, die Füsse in grünen Schlupfschuhen. Ihre hüftlangen tizianroten Locken hatte sie zu einem lockeren Zopf geflochten, einige ungebändigte Wellen umrahmten ihr zartgeschnittenes Gesicht. Vor ihr auf dem Tisch lag ein bunter Kubo-Oktaeder, der das Hologramm einer Musikantin zeigte, die einem mehrseitigen Instrument Melodien entlockte. Daneben lagen diverse glänzende Tafeln. Momentan lag eine solche Tafel mit Informationen über ihre Zielwelt Naborêon auf ihrem Schoss. Eigentlich wusste sie schon alles Wichtige über Naborêon, aber dies war ihre erste selbständig unternommene diplomatische Reise. Sie war dementsprechend nervös und wollte auf keinen Fall einen Fehler machen. Trotzdem liess sie ihre Gedanken abschweifen, als die Musikantin das Lied spielte, zu dem sie das erste Mal mit Kjetil Jarrakalor getanzt hatte. Der charmante schwarzhaarige Fürst hatte schnell ein Feuer in ihrem Herzen entfacht. Nach dem Tanz hatte er ihre Handinnenflächen geküsst und geflüstert, dass er sie gerne wieder treffen würde, sobald ihre Paarungsreife gekommen sei. Sie hätte ihn schelten sollen wegen seiner Unverschämtheit, hatte aber nur perlend gelacht und ihm einen tiefen verführerischen Blick unter ihren dichten Wimpern zugeworfen, leichte Röte in den Wangen. Leider hatte ihre Mutter jedoch für das erste Zusammenkommen schon eine andere Verbindung arrangiert. Zugegeben – Torîn Ladrobal war mit seinen hellen Haaren und den blitzend blauen Augen sehr anziehend und auch sehr sympathisch, der Traum vieler heranwachsender Mädchen – doch in Amarelas Augen wirkte Torîn im Vergleich zu Kjetils Männlichkeit noch wie ein kleiner Junge. Die junge Prinzessin hoffte, dass in ihren Handflächen bald das spiralförmige Muster auftauchen würde, welches zeigen würde, dass sie die Paarungsreife erreicht hatte... schliesslich war sie schon 17 Blütezeiten, die meisten ihrer Freundinnen waren die erste Verbindung schon eingegangen. Seufzend nahm sie ihre Lektüre wieder auf und prägte sich zum zehnten Mal die auf Naborêon herrschenden Anstandsregeln ein. Doch nach kurzer Zeit legte sie die Tafel entnervt zurück auf den Tisch und stand auf. Sie tänzelte zur Musik hinüber zur Getränkeausgabe und liess sich einen heissen Becher Andromel eingiessen. Sie hatte kaum einen Schluck getrunken, als ein Beben den Flieger schüttelte, dass sie fast das Gleichgewicht verlieren liess. Ihr Becher zerschellte auf dem Boden.
„Warum sind die Schutzschilde nicht in Betrieb?“ hörte sie Lardey in der Steuereinheit schreien. „Laut Instrumenten funktionieren sie aber," antwortete Todrin. „Irgendwo muss eine Fehlfunktion vorliegen.“ „Wir werden nach der Landung alles überprüfen," meinte Lardey. „Bis zur Erde ist es nicht mehr weit.“
Amarela steckte ihren Kopf durch die Tür der Steuereinheit. „Können wir überhaupt landen, Lardey?“ fragte sie. „Wir müssen, Erbin Amarela. Unsere Wasservorräte reichen nicht mehr bis nach Naborëon. Aber du begibst dich vor dem Landeanflug in die Rettungskapsel," befahl er. Von königlicher Familie oder nicht, an Bord galt, was der Pilot sagte.
„Wie lange haben wir noch Zeit?“ wagte sie es zu fragen. „Ich möchte, dass du in einer halben Stunde in der Rettungskapsel bist," erwiderte Lardey mit einem Blick auf die rasch aufleuchtenden Daten.

Amarela begab sich zurück in den Aufenthaltsraum, räumte die Tafeln und den Oktaeder zusammen und verstaute alles in ihrer Schlafnische. Auf dem Weg zum Schutzraum hielt sie beim kleinen Schiffsaltar inne und sprach ein kurzes Gebet um eine sichere Landung an die Götter. Die Schutzkapsel war wirklich eine Kapsel – ein runder Raum mit glatten Wänden – einzig beim ebenfalls runden Eingang, bei dem man sich bücken musste, um hinein zu gelangen, war eine Tafel mit diversen Symbolen angebracht. Amarela kletterte hinein, drückte dann eine bestimmte Symbolkombination und setzte sich abwartend mitten im Raum auf den Boden. Die Tür hinter ihr glitt zu. Langsam strömte farbiges dickliches Licht in die Kapsel, bis diese vollständig gefüllt und Amarela komplett davon umhüllt war. Sie konnte sich nun kaum noch bewegen, ausser mit grossem Krafteinsatz, solange die Kapsel nicht ausgeschaltet war. Und dies würde nur der Fall sein, wenn sie entweder von aussen abgeschaltet wurde oder sobald sie gelandet waren. In dem Fall würde sich die Schutzfunktion automatisch abstellen. Amarela versuchte ruhig und tief zu atmen und nicht in Panik zu geraten. Lardey und Todrin würden bei der Landung ihr Bestes geben und sie war hier wirklich am besten aufgehoben. Sie machte sich etwas Sorgen, doch das war nur natürlich in einer solchen Situation. Auf der Erde wären sie auf jeden Fall gelandet, doch nur kurz und mit eingeschalteten Tarnschilden. Sie hoffte, dass diese noch funktionsfähig waren. Die junge Frau spürte die Erschütterungen nicht, die den Flieger beim Eintauchen in die Erdatmosphäre erschütterten, sah nicht, wie die zwei Männer in der Steuereinheit blass wurden, als das Tempo kaum reduziert werden konnte. Sie sahen sich kurz an und nickten dann mit zusammen gekniffenen Mündern, bevor sie ihren Blick wieder geradeaus richteten, ihre Hände fest die Steuerknüppel unklammernd. Das kleine Raumschiff raste über ein Meer, über eine Wüste und landete dann mit einigen Hüpfern, wie ein Kieselstein, der über eine ruhige Wasseroberfläche geworfen wurde, stand schliesslich still, halb auseinandergebrochen, die Sonnenmembrane zwischen dem Heck zerrissen.

10 Jahre zuvor war die Menschheit von einer schlimmen Seuche heimgesucht worden. Ein tödlicher Virus war aus einem der strenggeheimen militärischen Labors entkommen. Innert eines halben Jahres war die irdische Bevölkerung um 80% dezimiert worden. Obschon nicht speziell darauf gezüchtet, hatte die Krankheit doch mehrheitlich die Erwachsenen dahingerafft, ausser sie konnten sich in Schutzzonen flüchten wie die Angehörigen des Militärs, lebten isoliert auf Bauernhöfen oder waren von Natur aus immun. Die Mehrheit der überlebenden Kinder und Jugendlichen schlossen sich zu Gruppen zusammen, um überleben zu können. Eine dieser Gruppen waren die "Kojoten", der Jüngste von ihnen 15, der älteste 23. Diesen Abend waren vier davon unterwegs, um ihre kleine Rinderherde zu vergrössern.

"Was ist das?" rief Dorian, als etwas leuchtend und mit ohrenbetäubendem Donnern über den Himmel glitt, in einem Tempo, dass er noch niemals gesehen hatte. Die vier jungen Männer hatten Mühe, ihre verschreckten Pferde am Durchgehen zu hindern, die sich solchen Lärm genau so wenig gewöhnt waren. Wenige Sekunden später erklang ein Krachen aus der Richtung, in die das fliegende Objekt verschwunden war. Danach war die Steppe wieder still, abgesehen vom Schnauben ihrer Reittiere. "Keine Ahnung," sagte nun Randy, ihr Anführer. "Aber wir sehen mal nach. Vielleicht finden wir etwas Brauchbares." Die Rinder waren für den Moment aus ihren Gedanken verschwunden, die Neugier stärker. Randy wendete seinen Schecken und liess ihn in einen leichten Trab fallen. Weit mussten sie nicht reiten, bald sahen sie seltsame Lichter über dem kargen Boden flackern. Eds Stute scheute ab diesem unnatürlichen Licht und der Junge wurde fast aus dem Sattel geworfen. "Besser wir lassen die Pferde hier." Seans Vorschlag klang vernünftig, zumal sie so nicht Angst zu haben brauchten, dass die Tiere sie verrieten. Es war besser, vorsichtig näher zu gehen und nicht zu früh auf sich aufmerksam zu machen. Schliesslich wussten sie ja nicht, was sie zu erwarten hatten. So banden sie die Pferde an einem dürren Baum fest und legten das letzte Stück zu Fuss zurück. "Wir warten hier," befahl der blonde Randy, als sie die Tarnung einiger grosser Felsen erreichten, von der aus sie das Wrack gut beobachten konnten. "Wenn wir innerhalb einer halben Stunde niemanden sehen, gehen wir näher.."

Trotz der Abschirmung in der Kapsel hatten die Hüpfer des Fliegers Amarela ziemlich durchgeschüttelt und sie hatte einige schmerzende Stellen am Körper, als die Lichter im Schutzraum sich veränderten und sie sich endlich wieder frei bewegen konnte. "Hoffentlich ist alles gut gegangen," dachte sie, als sich die runde Tür langsam öffnete. Sie kletterte vorsichtig hinaus und bemerkte schockiert, dass sie über sich den sternenbedeckten Himmel und das fahle Licht des einzigen Erdmondes sehen konnte. Ein breiter Riss ging genau vor der Kapsel durch das Schiff und sie hatte Glück gehabt, dass sie beim herausklettern nicht hineingetreten war, so scharf wie das Metall an den Bruchkanten war. Behutsam und langsam überwand sie den Riss und bahnte sich ihren Weg durch Trümmer zur Steuereinheit.
"Lardey! Todrin!" rief sie nervös. Flackernde Lichter liessen unheimliche Schatten über die Wände tanzen und das auseinandergerissene und verbogene Metall ächzte wie ein Lebewesen. Die Fenster in der Steuereinheit waren komplett zersplittert, die Scherben knirschten unter ihren zögernden Schritten. Ein Stöhnen liess die junge Frau schneller werden. Pilot und Navigator sassen noch auf ihren Sesseln, Lardey nach vorne zusammengesunken, seine Kleider dunkel verfärbt, Todrin nach hinten gelehnt, keuchend nach Atem ringend, seine Beine zwischen verformten und verkrümmten Metallteilen eingeklemmt. Mit zitternden Händen löste Amarela seine Sicherheitsgurte. "Musst.... Hilferuf ..... Tarnung," stöhnte der dunkelhaarige Mann. "Lass mich.... hat keinen Zweck." Die Thronerbin schluckte und hielt die Tränen zurück. "Was muss ich tun?" Einige Blutstropfen liefen Todrin aus dem Mund, die Amarela sanft wegtupfte. Er holte gurgelnd Luft und flüsterte: "Die Symboltafel in der Rettungskapsel - gib die Kombination wie folgt ein." Er schloss die Augen und zählte die richtige Reihenfolge auf. Das Mädchen wiederholte die Kombination im Stillen, um sie sich besser zu merken. "Dann gehst du wieder in die Kapsel und schaltest die Tarnung ein, dafür drückt du die untersten zwei Symbole rechts aussen gleichzeitig." Ein Krampf durchlief Todrins Körper und er bäumte sich etwas auf, versuchte dann mit einem rasselnden Geräusch, noch einmal Luft in seine Lungen zu holen. Dann gab er den Kampf auf, entspannte sich und stiess einen Seufzer aus, mit dem der letzte Rest seines Atems entwich. Eine Träne floss Amarelas Wange hinunter und sie versuchte ein Schluchzen zu unterdrücken. Die Beiden hatten zu ihren Freunden gehört – seit sie ein kleines Mädchen gewesen war, hatten die zwei Männer sie beschützt – auch wenn das auf Adrasc eigentlich nicht nötig war – und sie überall hin geflogen, wo ihre Beine sie nicht selbst hintragen konnten. Doch für Trauer würde später Zeit sein, wenn sie wieder zuhause war - am Grab der Beiden würde sie singen. Sie legte ihre Hand in einer Geste des Abschieds sanft auf Todrins Brust, ging dann um die Sitze herum zu Lardey und wiederholte die Geste dort, dann machte sie sich auf den Rückweg zu Kapsel.
Im Eingang der Steuereinheit drehte sich die junge Frau nochmals um. "Bîtaywëro, Gwâloi," flüsterte sie leise. Halb blind vor Tränen ertastete sie sich den Weg zurück. Ein Teil des Ganges war jedoch in der Zwischenzeit komplett eingestürzt, so dass sie aus dem kleinen Raumschiff klettern musste, um den Weg zur Schutzkapsel zurück zu finden. Sie liess sich vorsichtig auf den etwas nachgiebigen Erdboden fallen. Da sich nun wirklich die meisten ihrer Locken aus dem Zopf befreit hatten, löste sie ihn kurzerhand auf und band die kupferne Fülle dann zusammen. Der irdische Mond war fast voll und der Himmel ziemlich wolkenlos, so dass sie wenigstens nicht im Dunkeln herumtasten musste, um die Schutzkapsel zu finden.

"Seht ihr das auch?" fragte Sean seine Kameraden leise. "Dort beim Rumpf bewegt sich etwas." Randy hob sein Fernglas. Mondlicht fiel auf lange rote Locken und Stoff schillerte blau und grün in der Bewegung. "Ein Mädchen," stellte er fest. "Darf ich?" fragte der junge Ed und der Anführer streckte ihm das Fernglas hin. Der kleine Blondschopf hielt den Atem an. "Sie ist wunderschön, Randy." Sein Anführer musste ihm zustimmen. Obschon ihre Mädchen alle hübsch waren, hatte doch auch er noch niemals eine solche Schönheit gesehen. Er rieb sich geistesabwesend sein Kinn und grübelte über etwas nach, das am Rande seiner Erinnerung spukte. „Wisst ihr,“ flüsterte er kurz darauf und kratzte sich in der blonden Mähne. „Ich glaube, ich hab da mal etwas gelesen. In früheren Zeiten gab es eine Art Zeremonie für solche Gruppen wie unsere. Wenn die Männer alle die gleiche Frau teilten, standen sie sich danach näher als Brüder. In letzter Zeit hatten wir ja etwas Spannungen untereinander. Ein solches Bündnis könnte uns nicht schaden.“ Der junge Ed, der erst vor kurzem sein 15. Lebensjahr erreicht hatte und noch nie mit einer Frau zusammen gewesen war, kam ins Stottern. „Du m-meinst, sie dort...?“ Ein böses Grinsen legte sich auf Seans Gesicht und er klopfte Raoul auf die Schulter. „Tolle Idee. Also ich bin dabei. Dorian?“ Fragend sah er den vierten Mann in ihrem Bund an. Dieser hatte die blaugrünen Augen zusammen gekniffen, um das Mädchen sehen zu können und nickte nun bestätigend. „Was für eine Frage,“ meinte er, „welcher normale Mann könnte da widerstehen, wenn du eine solche Trophäe anbietest, Randy?" Dieser hatte sein Fernglas nun wieder in der Hand und sah erneut zu dem Wrack hinüber. "Sie scheint irgend etwas zu suchen, am besten ergreifen wir sie so schnell wie möglich." Er entschied rasch über das weitere Vorgehen, ein Grund dafür, dass er eine eigene Gruppe anführte.

Das Heulen eines fremdartigen Tieres erklang in der Dunkelheit der Nacht. Es schien sehr nahe und Amarela bekam eine Gänsehaut, als es aus einer anderen Richtung erwidert wurde. Sie blieb kurz stehen und rieb sich die Arme. Sie schauderte nicht nur ab dem Geräusch, sondern fror auch leicht, denn ihre durchsichtigen Spinnseidenärmel boten nicht viel Schutz gegen die kühle Luft dieser irdischen Nacht. Das leise Knacken eines durchbrechenden Astes hinter ihrem Rücken liess sie einen Blick über ihre Schulter werfen. "Reiss dich zusammen," dachte sie ärgerlich über sich selbst. "Das sind nur harmlose Tiere, die sich wieder aus den Verstecken wagen, in die sie sich bei unserer Bruchlandung geflüchtet haben." Trotzdem beschleunigte sie ihre Schritte, darauf bauend, dass es nicht mehr weit war bis zum schützenden Raum. Eine grosse Gestalt trat so plötzlich aus den Schatten des Fliegers, dass sie in den Körper hineinlief. Sie stiess einen lauten Schrei aus, als muskulöse Arme sich wie die Zangen eines grossen Leïwoyo-Krebses um sie legten und sie an eine breite Brust gepresst wurde. Ein fremdartiger Duft drang durch ihre Nase. "Mensch?" Ihr Gedanke wurde bestätigt, als die einzelne Wolke, die vorhin das Licht des Mondes verdeckt hatte, weiterzog. Fahles Licht meisselte wie von Götterhand geschnitzte Züge aus der Dunkelheit. Der menschliche Mann sah ihr in die weit aufgerissenen Augen, dann blickte er über ihren Kopf hinweg und sprach mit tiefer Stimme etwas in seiner Sprache. Sie spürte den Luftzug einer Bewegung in ihrem Rücken, doch noch bevor sie erneut reagieren konnte, traf sie etwas an der linken Schläfe und Schmerz durchzog ihren Kopf wie eine flutende rote Welle, bevor sich ein schwarzer Vorhang vor ihre Augen legte.

Dorian trat zurück, als das Mädchen in den Armen von Randy zusammensackte. "Und du bist sicher, dass sie wieder aufwacht?" fragte sein Anführer halbwegs besorgt, als er auf die kleine schlaffe Gestalt hinabsah, die nur dank seiner Umklammerung noch auf den Beinen stand. Für einen sehr kurzen Moment hatte er sogar so etwas wie Mitleid für sie empfunden, als sie ihn mit ihren wunderschönen Augen so verschreckt angesehen hatte. "Natürlich," erwiderte der Mann, der zu den am besten ausgebildeten Kämpfern der Kojoten gehörte. "Du kannst dir sicher sein, dass ich zu unserem kostbaren Fund Sorge trage. Sie wird Kopfschmerzen haben, wenn sie wieder wach wird, aber keinen bleibenden Schaden davontragen." Randy hob das Mädchen auf seine Arme, ihr Gesicht ruhte auf seiner Brust. Ed trat scheu näher und wischte die Locken aus ihrem Gesicht. Staunend fuhr er mit den Fingern über ihre Wange. "So fein," flüsterte er verzückt. "So wunderschön." Randy und Dorian grinsten sich an, sich amüsierend über das Staunen des Jungen. "Kommt ihr endlich?!" rief Sean ihnen zu, der die Pferde geholt hatte und nun ungeduldig wartete, selbst schon im Sattel. "Natürlich," grollte Randy und lief mit seiner süssen Last zu seinem Hengst. Dorian folgte ihm und für einige Momente hütete er ihren Schatz, während Randy aufstieg. Dann wurde das Mädchen ihm wie eine Puppe hinaufgereicht. Obschon eigentlich praktischer, wollte er sie doch nicht quer über den Pferderücken legen, zumal sie ja nicht in Eile waren. Er hielt sie vor sich im Sattel, einen Arm um ihren Rücken, die andere Hand am Zügel seines Reittieres. Im Schritttempo ritt die kleine Gruppe zu ihrem Zuhause zurück.


Ort: Altes Anwesen an der früheren West Relief Route in Roswell, 3. Mai abends
Wohnort der "Kojoten"

Langsam öffnet Amarela ihre Augen und unterdrückte ein Schluchzen. Lebhaft hatte sie den Absturz nochmals vor Augen gehabt in ihrem Traum, den Tod ihrer Freunde so frisch wie eben erst passiert. Ihr Kopf pochte schmerzhaft. Wo war sie hier? Sie lag auf einem breiten Bett, nackt, die Arme gestreckt über ihrem Kopf festgebunden. Irgend jemand hatte ihren Zopf gelöst, so dass die langen Locken ihren Körper umkringelten. Der Raum selbst war düster und kalt. Verzweifelt zerrte sie an den festen Bändern, die sie festhielten und ihre Handgelenke wund rieben. Als plötzlich eine Tür geöffnet wurde, zuckte sie zusammen. Einige jüngere Frauen kamen herein, Fackeln tragend, die das Zimmer in ein flackerndes Licht tauchten und stellten sich links und rechts an den Wänden auf. Nach ihnen traten einige Männer durch die Tür, alle nackt bis auf ein Lederband um den linken Oberarm. Sie erkannte den Vordersten als denjenigen wieder, der sie beim Wrack umklammert hatte. Der Blonde legte sich neben sie. Bewundernd betrachtete Randy den wohlgeformten nackten Körper, der so wehrlos vor ihm lag. Das Mädchen zuckte vor seiner Hand zurück, als er ihr Haar berührte und durch die feinen Locken glitt. Seine Finger zeichneten die Konturen ihres Gesichtes nach und wanderten dann forschend langsam tiefer, während sein Mund sich ihren sanft geschwungenen Lippen näherte. Sie war wie erstarrt, doch als sie seine Lippen spürte, versuchte sie ihn zu beissen. "Hey, so wild?!" lachte er leise und fast zärtlich. "Entspanne dich, dann wird es dir auch gefallen." Randy wollte wirklich, dass es ihrem Opfer gefiel. Unvorstellbar war für ihn die Möglichkeit, dass seine Berührungen vollkommen unwillkommen waren, dass ein weibliches Wesen seinem perfekten Aussehen nicht verfallen sollte. Seine Finger betasteten ihre sich ihm aufgrund der Fesseln entgegenreckenden Brüste und kneteten sie leicht. Tiefer wanderten seine Küsse, bis sein Mund einen ihrer Knospen erreichte, darüber leckte und dann leicht daran sog, ihn mit der Zunge umkreiste, während seine Hand tiefer wanderte. "Hör auf, bitte, das darfst du nicht," flehte Amarela vollkommen verstört. "Ich will das nicht!" Schluchzend versuchte sie ihn weg zu stossen - ein schwieriges Unterfangen mit festgebundenen Armen und ohne Wirkung gegenüber Randys muskulösem Körper. Dieser hatte schon nach einigen Minuten keine Lust mehr auf dieses einseitige Petting, presste ihre schlanken Beine mit seinen auseinander und drang schnell und heftig in sie ein. Die junge Frau schrie gellend auf vor Schmerzen, ein flammendes Schwert schien ihren Körper zu zerschneiden und flimmernde Sterne begannen vor ihren Augen zu tanzen. Doch die gnädige Umarmung einer Ohnmacht wurde ihr nicht gewährt. Ihre Schreie fanden kein Ende, selbst als der Mann ihr beide Hände über den Mund legte um sie zum Schweigen zu bringen. Doch irgendwann brach ihre Stimme und als der junge Anführer mit ihr fertig war, wimmerte sie nur noch kläglich, selbst als die anderen Männer ihr Gewalt antaten. Einzig Pat und Andrew weigerten sich, als sie an der Reihe waren, bleich im Gesicht. „Wir wissen auch so, dass wir Männer sind," meinten beide einstimmig. Nach ihrer Tat versammelten sich die Männer, ausser die zwei Verweigerer, im Nebenraum zu Speis und Trank, um ihre „Verbrüderung“ zu feiern.

Vage nahm Amarela wahr, dass jemand ihre Arme von den Fesseln befreite. Sie rollte sich auf die Seite und zog sich schluchzend zusammen, presste die Hände auf ihren so furchtbar schmerzenden Unterleib. Warum hatten sie das getan? Sie hatte doch nein gesagt – und hatten sie denn nicht gesehen, dass sie noch nicht paarungsreif war? Schmerzen brannten wie glühendes Feuer in jedem einzelnen Nerv ihres Körpers und sie wünschte sich, wie ihre Freunde beim Absturz ebenfalls den Tod gefunden zu haben. Laura presste ihr sachte ein warmes feuchtes Tuch zwischen die Schenkel. „Hier, das wird den Schmerz etwas nehmen und hoffentlich die Blutung stoppen," sagte sie sanft. Sie hatte wie die anderen jungen Frauen der Kojoten als Fackelträgerin dienen müssen und war immer noch schockiert ab der Brutalität ihrer Freunde. Amarela öffnete kurz ihre grossen tränennassen Augen und jammerte etwas. Laura strich ihr tröstend über die Stirn und die langen Locken. „Es tut mir leid," sagte sie mitleidig. „Ich hätte mich freiwillig für die Zeremonie angeboten, wenn ich vorher davon gewusst hätte. Aber Randy hatte die Idee scheinbar erst, als du ihnen in die Hände gefallen bist... Andy, ich sollte die Bettlacken wechseln; ich will nicht, dass sie in diesem Geruch und auf den Blutflecken schlafen muss – könntest du sie kurz hochheben?“ „Aber sicher.“ Andrew legte dem Mädchen eine Decke um und hob sie vorsichtig hoch. Ihr Schluchzen wurde wieder lauter, doch er versuchte sie zu beruhigen. „Shhhh, Kleines. Ich tue dir nichts – habe dich vorher auch nicht angerührt. Nur keine Angst vor mir.“ Er legte sie ganz sachte zurück auf das frischbezogene Bett. Laura hielt ihm das blutverschmierte Lacken unter die Nase. „Diese Mistkerle. Schau nur all das Blut. Sie war auf jeden Fall noch Jungfrau.“ Wütend verliess sie den Raum, kam aber kurz darauf mit einem dampfenden Becher zurück und setzte sich auf das Bett. „Komm, trink das hier – es wird dir helfen zu schlafen.“ Gemeinsam mit Andrew brachte sie Amarela dazu, etwas von dem starken Kräutertrank zu trinken, bevor sie das Mädchen zudeckten und sie dann alleine liessen. Amarela weinte stumm in ihr Kissen, in der Fötusstellung zusammengerollt, bis sie endlich erschöpft einschlief.

Einige Stunden später kam Randy von der Feier zurück und legte sich, den Arm über sie gelegt, zum schlafen neben sie, drückte seine Brust an ihren Rücken. Amarela wachte davon auf. Sie spürte sein Glied an ihrem Po und biss sich in die Hand, um nicht zu schreien, hielt die Augen bis zum Morgengrauen offen, darum bemüht, sich möglichst nicht zu bewegen, wollte den Mann nicht daran erinnern, dass sie hier war.

Randy rührte sich erst, als ein Sonnenstrahl seinen Weg durch das Fenster suchte und auf ihn fiel. Als er den nackten schlanken Körper seiner schönen Gefangenen so nah vor sich sah, überkam ihn neue Lust. Das Mädchen zuckte zusammen, als seine Lippen ihre Schulter berührten und hinauf zu ihrem Nacken wanderten. Seine rechte Hand begann ihren Oberkörper zu streicheln, dann zwang er sie auf den Rücken. "Nay, dîtero. Dîtero." Weinend versuchte Amarela, ihn abzuwehren und trommelte mit ihren Fäusten gegen seine Brust, bis er ihre Handgelenke mit einer Hand packte und brutal festhielt. Er war schon halb über ihr, hatte ihre Beine mit seinen Knien auseinandergepresst, als zum Glück Laura mit einer Kleinigkeit zum Frühstück hereinkam. „Nein Randy, hör auf damit. Bitte!“ flehte sie sogleich. „Wenn du unbedingt eine Frau brauchst, nimm mich –aber sie hat schon genug durch-gemacht.“ Randy fuhr wütend auf, genervt darüber, dass sich seine Freundin einmischte in etwas, dass sie seines Erachtens nichts anging. „Wenn du so ein Geschrei ablässt, vergeht einem eh jede Lust. Aber okay, wenn dir soviel daran liegt, lass ich sie in Ruhe – doch den Anderen muss sie zur Verfügung stehen.“ Er sprang nackt aus dem Bett und stürmte so wie er war aus dem Zimmer – Laura folgte ihm, nachdem sie das Tablett abgestellt hatte.

Nachdem sich Amarela wieder etwas beruhigt hatte und ihr Körper endlich aufhörte zu zittern, stand sie vorsichtig auf. Jede Bewegung schmerzte sie und zwischen ihren Beinen brannte es entsetzlich. Der Steinboden unter ihren nackten Füssen war extrem kalt. Sie öffnete vorsichtig die zweite Tür in diesem Zimmer. Ein ziemlich dunkler menschenleerer Gang lag vor ihr. So lautlos wie möglich schlich sie durch die Gänge des alten Hauses, auf der Suche nach einem Ausgang, sich zwischendurch immer wieder an der Mauer abstützend, wenn die Schmerzen zu schlimm wurden. Als sie per Zufall den Haupteingang fand, war dieser jedoch verschlossen. Verzweifelt rüttelte sie daran und schlug auf das Holz ein, bis ihre Hände blutig waren. „Bitte, bitte..... lass mich doch jemand raus,“ schluchzte sie verzweifelt. „Irgendjemand.“ Sie lehnte sich mit dem Rücken an die Tür und liess sich daran heruntergleiten, zog dann die Beine an und legte heftig weinend ihren Kopf an ihre Knie. Nach einiger Zeit fielen Schatten auf sie – einige der Männer hatten sie entdeckt. „Wen haben wir denn da?“ spöttelte Dennis.„Willst du uns etwa schon wieder verlassen?“ meinte ein Anderer lachend. Amarela stand verschüchtert auf und versuchte mit den Händen ihre Blösse zu bedecken. Lüsterne Blicke wanderten ihren Körper hinauf und hinab. Sie wollten eigentlich nichts mehr von ihr, hatten sogar ein bisschen ein schlechtes Gewissen wegen des vorhergegangenen Abends, aber ihr Angst einjagen war doch auch noch spassig. Die Drei scheuchten die junge Frau zwischen sich hin und her, wie eine Katze mit einer Maus spielend. Einer Panik nahe wurde sie von Pat erlöst, der pfeifend um eine Ecke kam und sie in dieser Lage vorfand. Er zögerte nicht lange, zog sein Hemd aus und streifte es Amarela über, während er seinen Kollegen einen bösen Blick zuwarf. Danach nahm er sie auf die Arme und trug sie weg von den Anderen. Sie klammerte ihre Arme fest um ihn und vergrub ihr Gesicht schluchzend an seinem Hals. Als Randy ihren Weg kreuzte, meinte Pat zu ihm. „Können wir sie nicht oben unterbringen, vielleicht im Eckzimmer? Dort könnten wir sie leichter überwachen, sonst wandert sie noch mehr herum“ „Gute Idee, Pat. Ich bin einverstanden.“ Im Zimmer setzte Pat das Mädchen auf dem dort stehenden alten Bett ab. Kaum hielt er sie nicht mehr fest, flüchtete Amarela sich in die hinterste Ecke des Raumes, wo sie sich so klein wie möglich machte und sich immer noch weinend vor- und zurückschaukelte. "Schhhhh, Mädchen," versuchte der junge Mann sie zu beruhigen. "Ich tue dir doch nichts." Er sah sich im Raum um. "Ein bisschen karg," stellte er schliesslich fest. "Ich werde mal schauen, ob ich noch einige Decken für dich finde."

Erst als er wieder zurückkam, sah Pat, dass ihre Hände bluteten. Noch einmal liess er sie alleine und ging auf die Suche nach Laura, die er draussen im Garten fand, wo sie zusammen mit einigen der anderen jungen Frauen darum kämpfte, dem spriessenden Unkraut Herr zu werden. „Hast du mir Verbandsmaterial?“ fragte er die Brünette. „Natürlich, komm mit.“ Sie ging ihm voraus in den Vorratsraum neben der Küche, wo sie ihm einige Streifen Tuch in die Hand drückte sowie einen kleinen Tiegel mit Salbe. „Ringelblume,“ erläuterte sie ihm auf seinen fragenden Blick hin. So beladen eilte er zurück zu der kleinen Kammer. Dumpfe Schläge waren zu hören, noch bevor er die Türe öffnete. Vor ihm standen Steve und Clark, die ihm den Eintritt verwehrten. Der Anblick, den er über die Schulter der zwei hinweg sah, drehte Pat beinahe den Magen um. Sean hatte seine Abwesenheit genutzt und presste das Mädchen mit seinem Körper an die raue Wand. Jede seiner Bewegungen quetschte ihren Rücken brutal gegen die Mauer, so dass Pat jeden Moment erwartete, etwas brechen zu hören. Ihr Hemd war aufgerissen und der Blonde knetete grob eine ihrer Brüste. "Wehr dich," zischte er in ihr Gesicht. "Na los, schreie." Doch Amarela hatte die Augen geschlossen, war nach den ersten Schlägen auf ihren Hinterkopf bewusstlos geworden. Er drückte einen groben Kuss auf ihre leicht geöffneten Lippen, bevor er sich aus ihr zurückzog und zuliess, dass sie wie eine Stoffpuppe auf den Boden fiel. Sean schloss seine Hosen, dann wandte er sich um und sah Pat bei der Türe hinter seinen Kollegen stehen, weiss im Gesicht und die Hände zu Fäusten geballt. Er lachte bösartig. "Hast wohl gedacht, jetzt hättest du sie für dich, was? Pech gehabt, Pat.,“ sagte er spöttisch, als er an ihm vorbeilief und sagte schulterzuckend zu seinen Freunden. „Ein andermal, Jungs, jetzt wäre es eh nicht mehr spassig.“ Pat schickte den drei lachend davon schlendernden Männern einen hasserfüllten Blick nach, bevor er zu dem langsam wieder zu Bewusstsein kommendem, stöhnenden Mädchen lief. Zögernd wanderte ihre rechte Hand zu ihrer Stirn, tastete dann zu ihrem Mund, befühlte vorsichtig die geschwollene Unterlippe. Die junge Frau zuckte vor ihrer eigenen Berührung zurück, als ihre Finger über die Verletzung dort fuhren. Ein leiser Schmerzensschrei entfuhr ihr bei der plötzlichen Bewegung. Zaghaft berührte sie ihren pochenden Hinterkopf, dann zog sie die Hand wieder zu ihrem Gesicht, öffnete vorsichtig die Augen und starrte das Blut daran verstört an. Als Pat sich neben ihr auf dem Boden niederliess, sah sie ihn fragend an. „Aleh?“ fragte sie verwirrt und versuchte aufzustehen, obschon die Welt um sie herum zu wanken schien. Doch ihr linker Arm tat so weh, dass sie wimmernd wieder zusammensackte, als sie sich damit abstützen wollte. Der Rothaarige wollte ihr helfen und legte seine Hände auf ihre Schultern. Doch nun schien sich der Lockenschopf daran zu erinnern, was vorher geschehen war. Ein halb ersticktes Schluchzen erklang und sie versuchte von ihm weg zu krabbeln, hielt dabei krampfhaft mit der blutigen Hand das zerrissene Hemd vor ihren Brüsten zusammen. „Kleines,“ bat er mit sanfter Stimme. „Bitte, ich muss doch schauen, was du für Verletzungen hast. Ich will dir doch nichts tun.“ Amarela hatte sich nicht weit von ihm entfernt, denn zu gross waren die Schmerzen in ihrem linken Arm. Sie wimmerte leise, sah ihn ängstlich an, als er die kurze Distanz in zwei Schritten zurücklegte und wieder bei ihr niederkniete. „Nay nay, dîtero,“ flehte sie weinend und duckte sich. Er fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare, ratlos angesichts der Situation. Er fühlte sich verpflichtet sie zu verarzten, aber doch nicht hier auf dem Boden. Irgendwie musste er sie auf das Bett hinüber bringen. Er strich kurz mit seiner Hand zärtlich über ihre Wange, dann schob er seine Arme unter sie und hob sie hoch, ihre Schmerzenslaute mit zusammengebissenen Zähnen ignorierend. Der Fluchtmöglichkeit beraubt, war ihr Körper nun erstarrt vor Angst, gleich einem Reh, das geblendet in der Dunkelheit stehen blieb. Behutsam legte er sie auf dem Bett nieder. „Bin gleich wieder da,“ wisperte er und ging in das angrenzende kleine Badezimmer, wo er ein Tuch befeuchtete, bevor er zurück kam und sich dann neben sie auf das Bett setzte. Sachte wischte er das getrocknete Blut an ihrem Kinn weg – die verletzte Lippe in Ruhe lassend, da diese nicht mehr blutete – und betupfte dann vorsichtig die Wunde an ihrem Hinterkopf. Sie wimmerte leise, hielt aber still, seine guten Absichten spürend. „Beinwell oder Wallwurz,“ murmelte er vor sich hin. „Laura hat sicher eine dieser Salben, die wir für deinen Arm brauchen. Aber ich wage nicht, dich nochmals alleine zu lassen.“ So sass er einfach nur an ihrer Seite, hoffend, dass bald jemand vorbeikäme, dem er vertrauen konnte und lauschte den Geräuschen im Flur. Er plauderte leise mit ihr, wohl wissend, dass sie kaum etwas von seinen Worten verstehen würde. Doch er hoffte, ihre Angst wenigstens mit seinem Tonfall etwas zu mildern und ihr Vertrauen zu gewinnen. "Ich wüsste zu gerne, wie du vor dieser Nacht warst. Womit hast du deine Tage verbracht? Magst du Bücher? Kennt ihr das überhaupt bei euch zu Hause? Singst du gerne? Tanzt du? Hast du einen Freund? Und wo überhaupt ist deine Heimatwelt?" Bei seinen ersten Worten hatte sich der Blick ihrer dunkelgrünen Augen forschend auf sein Gesicht gelegt und ihr Körper schien sich etwas zu entspannen, während sie ihm zuhörte. Nach wie ihm schien endlosen Minuten waren schwere Stiefeltritte zu hören, die näher kamen. Vor dem Zimmer hielten sie an und dann streckte Andrew seinen Kopf hinein. „Pat,“ fragte er Älteren verwundert. „Was machst du denn hier?“ „Andrew, Gott sei dank,“ sagte sein Freund erleichtert. „Sean ist über sie hergefallen – ich wage es nicht mehr, sie alleine zu lassen. Gehst du bitte Laura fragen, ob sie Beinwell- oder Wallwurzsalbe hat?“ Ohne weitere Fragen verschwand der Einundzwanzigjährige wieder. Als er nach kurzer Zeit zurück kehrte, folgte ihm die etwas aufgebrachte Laura. "Pat," schimpfte sie schon bevor sie das Zimmer betrat. "Was glaubst du denn, wie viele Vorräte ich in dieser Jahreszeit noch habe? Was willst du d.... ?" Sie brach ab, sobald sie in dem kleinen Eckraum war und das rothaarige Mädchen vor Augen hatte, das leise vor sich hin wimmerte. Sie machte den Mund auf, doch bevor sie etwas sagen konnte, schnitt Pat ihr schon das Wort ab. "Sean," sagte er nur kurz. "Mit ihrem linken Arm stimmt etwas nicht - und ich weiss nicht, in was für einem Zustand ihr Rücken ist." "Erst der Arm," erwiderte die junge Frau ohne zu zögern. "Können wir sie auf den Rücken drehen?" Pat zuckte mit den Schultern. "Es geht kaum anders," stellte er fest. "Tut mir leid," sagte er zu dem Mädchen, als er seine Hände um ihre Schultern und auf ihr Kreuz legte und sie sehr vorsichtig in die richtige Position brachte. Sie zuckte vor Schmerzen und erneut schwammen Tränen in ihren Augen, als ihr Rücken mit der Matratze in Berührung kam. Sie wollte sich gleich wieder auf die Seite drehen, doch Pat hielt sie sanft aber bestimmt zurück. Laura setzte sich nun neben sie und schob ihr den Ärmel des Hemdes hoch. Der schlanke Arm war leicht angeschwollen und wies durch den Fall einige blauviolette Stellen auf. Kurz betastete die junge Frau die Gliedmasse. Nachdem sie festgestellt hatte, dass nichts gebrochen war, rieb Laura behutsam eine ihrer heilenden Salben ein und bandagierte den Arm dann vorsichtig ein, widmete sich dann gleich noch der linken Hand, zupfte behutsam Holzsplitter aus der Kante und salbte dann die Abschürfungen ein.. Sie nickte Pat zu, als sie damit fertig war und er nahm seine Hand weg, mit der er die Kleine in dieser Position gehalten hatte. Befreit rollte sich Amarela gleich wieder in die Fötusstellung. Dies machte Lauras nächste Aufgabe einfacher. Sie stand auf und ging um das Bett herum, setzte sich dort wieder hin. „Ich hoffe, ihr könnt noch mehr eurer Hemden entbehren,“ sagte sie zu den zwei jungen Männern. „Dieses hier wird nicht mehr brauchbar sein.“ Da die junge Frau ihr Hemd immer noch krampfhaft vor der Brust zusammenhielt, blieb Laura nicht anderes übrig, als das Kleidungsstück hinten aufzuschneiden. Amarela zitterte, als ein leichter Luftzug ihre Haut traf. Der junge rothaarige Menschenmann hielt tröstend ihre linke Hand, seine rechte Hand ruhte auf ihrem Haar. Sie presste die Zähne zusammen, als die Frau ihren Rücken berührte und ohne dass sie es beeinflussen konnte, entrangen sich ihrer Kehle schluchzende Laute. Behutsam tupfte Laura die Schrammen mit einem feuchten Lappen ab, dann rieb sie sehr vorsichtig etwas Salbe über die von der Mauer aufgeschürften Stellen. Für die zahlreichen Prellungen, die sich schon langsam durch ihre violette Färbung zeigten, nahm sie etwas Ringelblumensalbe. Zufrieden mit ihrer Arbeit, verschloss sie die Töpfe wieder, die neben ihr auf dem Bett lagen. Als sie aufsah, hielt ihr Andrew eines seiner Hemden entgegen, das er in der Zwischenzeit aus seinem Zimmer geholt hatte. „Dreht euch um, ihr zwei“, befahl Laura bestimmt.

Es dauerte seine Zeit, das Mädchen soweit zu bringen, dass sie das zerstörte Hemd auszog und in das frische Kleidungsstück schlüpfte. Zwischendurch konnte Laura auch noch die andere Hand behandeln. Während die zwei Männer nebeneinander die Tür anstarrten, merkte Pat, dass Andrew etwas belastete. „Woran denkst du?“ fragte er zögernd, wohl wissend, dass der Jüngere seine Sorgen selten teilte. Dieser zuckte nur mit seinen Achseln, blickte aber immer noch unverwandt auf den Boden. „An Nichts“, murmelte er schliesslich kaum hörbar. „Klingt aber nach einem grossen Nichts“, stellte sein Freund fest. Nun hob Andrew seinen Kopf und warf Pat einen ärgerlichen Blick aus seinen rehbraunen Augen zu, die Brauen zusammengekniffen. „Es ist nur...... wir glauben, besser zu sein als die Anderen, weil wir ihr nichts getan haben... Aber sind wir das wirklich? Besser meine ich? Immerhin haben wir sie auch nicht beschützt... sie nicht aufgehalten... .“ Pat drehte sich nun zu ihm und legte seine Hände auf Andrews Schultern. „Ich verstehe deine Gefühle... aber ich glaube nicht, dass wir es hätten verhindern können. Nicht nachdem Randy sie schon hierher gebracht hat. Und das Militär hat nun sicher das Wrack ihres Raumschiffes schon gefunden, zurückbringen ist also auch keine Alternative. Wir können nur versuchen, sie von nun an zu beschützen... “ Von hinten meldete sich nun Laura. „Bleibt ihr hier? Es scheint sie hat Hunger, ihr Magen hat geknurrt und ich will etwas zu Essen für sie holen.“ Sie drehten sich wieder zu ihr um und Pat nickte bestätigend. „Natürlich bleiben wir hier.“ Laura verliess den Raum und die beiden Männer setzten sich auf den Boden. Amarela beobachtete jede ihrer Bewegungen wachsam, nicht sicher, ob sie diesen Menschen wirklich vertrauen konnte.

Laura machte auf dem Weg zur Küche noch einen Abstecher zu ihrem Freund. Sie fand ihn ausnahmsweise in seinem Arbeitszimmer, beschäftigt mit seiner Art Buchhaltung. Hände auf den Hüften aufgestützt, baute sie sich vor seinem Pult auf und er sah sie fragend an. „Was ist?“ fragte er nicht unfreundlich, legte seinen Bleistift aus der Hand und lehnte sich im Sessel zurück. „Sean hat sie diesen Nachmittag beinahe umgebracht!“ brach es wütend aus ihr heraus. „Willst du das?“ Randy seufzte. „Wieder dieses Thema.“ Er beugte sich vor und legte sein Kinn auf seine verschränkten Hände. „Ich habe dir heute morgen gesagt, dass ich sie in Ruhe lasse. Aber den anderen Männern werde ich sie nicht verbieten. Und Sean hat nun mal halt eine Vorliebe für gröbere Spiele.“ Seine Augenbrauen zogen sich verärgert zusammen und das Blau seiner Augen wurde kalt. „Du hast doch nicht angenommen, dass wir sie wieder frei lassen?“ Entrüstet schüttelte Laura ihren Kopf. „Wann bist du bloss so kalt geworden? Früher warst du doch nicht so.“ Sie lief hinaus und liess die Tür mit einem Knall hinter sich zufallen, Tränen in den samtig brauen Augen. Unterwegs zur Küche rieb sie sich die Nässe wütend mit dem Handrücken weg. Keine der anderen Frauen sollte sie so aufgelöst sehen. "Und ich muss jetzt eh praktisch denken," dachte sie, als sie die Küche betrat. "Was kann ich ihr anbieten? Am besten verschiedene Dinge zur Auswahl, wer weiss, was sie davon überhaupt essen kann." Die junge Frau holte ein hölzernes Tablett aus einem Schrank und legte es auf den grossen Tisch in der Mitte des Raumes, dann suchte sie wahllos Lebensmittel zusammen. Brot, Käse und etwas Trockenfleisch landeten auf dem Tablett, ein übrig gebliebenes Stück Früchtekuchen vom Vorabend, ein Schüsselchen Haferflocken mit Milch und eine kleine Schale eingemachtes Früchtekompott. Kurz überlegte sie, ob sie im Garten Zutaten für einen frischen Salat holen sollte, entschied sich aber dagegen, als sie im Gemüsefach des Kühlschranks noch einige junge Karotten und grüne Spargeln fand, die sie ebenfalls dazu legte, nachdem sie das Gemüse kurz gewaschen hatte. Nachdem sie noch einen Krug mit Apfelsaftschorle gefüllt hatte, machte sie sich auf den Rückweg.



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